Wenn ein geliebter Mensch krank wird – und Sie nicht wissen, wie Sie helfen können

Vielleicht saßen Sie mit im Arztzimmer. Vielleicht kam der Anruf völlig unerwartet. Vielleicht hat Ihnen ein geliebter Mensch unter Tränen gerade gesagt: „Ich habe Krebs.“ Oder: „Ich muss operiert werden.“

Und plötzlich steht nicht nur seine Welt still – sondern auch Ihre.

Nach Berichten von Klienten dreht sich alles um die erkrankte Person, während sie selbst als Angehörige oder liebe Freunde oft ihren ganz eigenen Sturm aus Gedanken und Gefühlen erleben: Angst, Hilflosigkeit, Sorge und tiefe Traurigkeit.

Und es stellen sich den Angehörigen und wahrscheinlich auch Ihnen die Frage: „Was kann ich jetzt tun?“

Betroffene berichteten mir auch, dass Sie stark sein möchten, dass Sie Mut machen wollen und die richtigen Worte finden möchten. Aber manchmal gibt es keine richtigen Worte. Manchmal sitzen Sie einfach nur da und wissen nicht, was Sie sagen sollen. Und wissen Sie was? Das ist vollkommen in Ordnung. Sie müssen nicht alle Antworten haben. Sie müssen die Angst Ihres Angehörigen, Ihres Freundes nicht wegnehmen. Sie müssen die Situation nicht lösen.

Oft ist das Wertvollste, was Sie schenken können, einfach Ihre Anwesenheit.
Da sein. Zuhören. Aushalten. Auch die stillen Momente.

Viele Angehörige setzen sich selbst unter Druck. Sie organisieren Termine, kümmern sich um die Familie, halten den Alltag am Laufen und versuchen gleichzeitig ihre eigenen Gefühle zu kontrollieren und oftmals auch zu unterdrücken. Ganz nach dem Motto: „Ich darf jetzt nicht weinen.“ Doch auch Sie sind betroffen. Auch Sie dürfen Angst haben. Auch Sie dürfen müde sein. Auch Sie dürfen Unterstützung brauchen. Auch sie dürfen weinen. Denn wer dauerhaft für andere da sein möchte, darf die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen. Vielleicht kennen Sie die Ansage im Flugzeug: „Setzen Sie erst sich selbst die Atemmaske auf und dann helfen Sie Ihrem Nachbarn“. Nur wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch für den Betroffenen da sein.

Ein kleiner Impuls für schwere Tage: Fragen Sie sich nicht ständig: „Was muss ich tun?“ Sondern vielleicht: „Was braucht dieser Mensch gerade von mir?“ Manchmal ist die Antwort ein Gespräch. Manchmal eine Umarmung. Manchmal eine Tasse Tee. Manchmal etwas vorlesen aus dem Lieblingsbuch, aus der Zeitung. Und manchmal einfach nur jemand, der still neben einem sitzt.

Sie müssen diesen Weg nicht perfekt gehen. Es reicht, ihn gemeinsam zu gehen. Und wenn Sie merken, dass die Situation auch Sie emotional stark belastet, dürfen Sie sich Unterstützung holen. Denn Angehörige tragen oft mehr, als andere sehen. Und auch sie verdienen einen Raum für ihre Sorgen, Ängste und Fragen.

Oft höre ich auch diesen Gedanken: „Warum hat es nicht mich getroffen?“ Oder: „Ich würde das lieber selbst durchstehen, als dabei zusehen zu müssen, wie ein Mensch, den ich liebe, leidet.“ Viele Angehörige erleben solche Gedanken. Dabei sind sie oft Ausdruck tiefer Verbundenheit. Wenn wir einen geliebten Menschen leiden sehen, möchten wir ihn beschützen. Wir möchten ihm die Angst abnehmen, die Schmerzen tragen oder die Belastung auf uns nehmen. Doch so sehr Sie es sich wünschen: Sie können den Weg nicht für den anderen gehen. Sie können dafür etwas Anderes tun, ihn begleiten.

Mit Ihrer Nähe. Mit Ihrer Geduld. Mit Ihrem Zuhören – alleine das ist für den Betroffenen so wichtig.
Einen guten Zuhörer. Ohne Bewertung. Ohne Ratschläge. Einfach nur da sein. Nähe.
Und manchmal auch einfach dadurch, dass Sie bleiben, wenn die Situation schwer auszuhalten ist.

Betroffene berichteten mir auch von anderen Gedanken, Gedanken, die Sie kaum auszusprechen wagen: „Welch ein Glück, dass es nicht mich getroffen hat.“ Und vielleicht folgt direkt danach ein schlechtes Gewissen. Wie kann man so etwas denken, wenn ein Mensch, den man liebt, gerade eine schwere Diagnose erhalten hat? Doch auch solche Gedanken sind menschlich und kommen aus unserem Inneren. Ganz von selbst. Gegensätzliche Gedanken - sie sind in uns, wie das Lachen und das Weinen, das Ruhige und das Lebhafte. Das Leben besteht aus Gegensätzen - aus Ying und Yang, aus Oben und Unten, aus Schwarz und Weiß, aus Himmel und die Erde. Solche Gedanken sind völlig in Ordnung. Es sind Ihre Gedanken, niemand kann sie hören oder sehen. Lassen sie Ihre Gedanken kommen und auch wieder gehen.

Wenn wir erleben, wie verletzlich das Leben ist, wird uns oft bewusst, dass es auch uns hätte treffen können. Dass wir selbst nicht davor geschützt sind. Und manchmal ist da zunächst einfach Erleichterung. Nicht weil Ihnen der andere Mensch nicht wichtig ist. Sondern weil Ihr eigenes System für einen Moment erkennt: Ich bin verschont geblieben.

Vielleicht kommt danach ein weiterer Gedanke: „Vielleicht trifft es mich irgendwann später.“ Auch das ist verständlich. Eine schwere Erkrankung in der Familie oder im nahen Umfeld erinnert uns daran, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Diese Gedanken machen Sie nicht egoistisch oder gefühllos. Sie zeigen, dass Sie versuchen, mit einer Situation umzugehen, die Vieles infrage stellt und gleichzeitig die eigene Verletzlichkeit sichtbar macht.

Vielen Menschen denen ich begegnet bin, hatten diese Gedanken.
Erst der Austausch zeigt, dass man mit seinen Gedanken nicht alleine ist.

Und manchmal brauchen nicht nur die Erkrankten Unterstützung.

Manchmal brauchen auch diejenigen einen Ort zum Durchatmen, die begleiten, mitfühlen und mittragen. Dabei geraten die eigenen Gefühle leicht in den Hintergrund.

Vielleicht merken Sie, dass die Angst immer mehr Raum einnimmt. Dass die Gedanken nicht zur Ruhe kommen. Oder dass Sie jemanden brauchen, mit dem Sie offen über all das sprechen können, was Sie bewegt oder Sie sich einfach jemanden an Ihrer Seite wünschen, der Ihnen zuhört und Sie ein Stück des Weges begleitet. Sie müssen diese Zeit nicht alleine bewältigen.

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie begleite ich Menschen in belastenden Lebenssituationen – mit Raum für Sorgen, Ängste, Unsicherheiten und all die Gedanken, die sonst oft keinen Platz finden.

In einem geschützten Rahmen können wir gemeinsam schauen, was Sie stärkt und was Ihnen hilft, mit dieser herausfordernden Situation umzugehen. Denn auch Angehörige verdienen Unterstützung – nicht erst dann, wenn nichts mehr geht, sondern genau dann, wenn das Leben besonders viel von Ihnen verlangt.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen,
freue ich mich über Ihre Nachricht.

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Wenn plötzlich alles anders ist – nach einer schweren Diagnose